{"id":2238,"date":"2018-09-27T06:50:22","date_gmt":"2018-09-27T04:50:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.humaldo.tv\/?p=2238"},"modified":"2018-09-27T06:52:03","modified_gmt":"2018-09-27T04:52:03","slug":"metalberichterstattung-die-macher-goreminister-humaldo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/metalberichterstattung-die-macher-goreminister-humaldo\/","title":{"rendered":"Stormbringer.at Interview: Metalberichterstattung &#8211; Die Macher: Goreminister &#038; humaldo"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Hier geht&#8217;s zum originalen Interview:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.stormbringer.at\/storys\/584\/homo-metallicus-die-macher-goreminister-und-humaldo.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>https:\/\/www.stormbringer.at\/storys\/584\/homo-metallicus-die-macher-goreminister-und-humaldo.html<\/em> <\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nach dem eher freih\u00e4ndigen ersten Teil meines Abrisses \u00fcber die Irrungen und Verwirrungen der konventionellen Berichterstattung \u00fcber den Metal habe ich mir f\u00fcr den zweiten Teil zwei der bekanntesten deutschsprachigen Metal-YouTuber zum Interview geholt und sie \u00fcber ihr ehernes Leben, ihre Ansichten und ihre Visionen befragt. Der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kadaverficker\/?fb_dtsg_ag=Adw8M6ruLpXr0Uz-e1owi81eF4PFkn4NqYXkBdwSbFcxFg%3AAdykA28cqzvbuR3NoGW75_K7rK_V7wv2dqD0wm7fdZzSug\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KADAVERFICKER<\/a>-Frontman <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UC5L4rorWxx3pc_oVDZVOGtg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Goreminister<\/a> aus dem Pott und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/humaAT\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Humaldo<\/a> (fast) aus Wien standen mir dankenswerterweise f\u00fcr meine Fragen zur Verf\u00fcgung.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie hat alles begonnen? Was waren deine ersten Kontakte zum Metaljournalismus? Welche Mags gab es f\u00fcr dich und wie wichtig waren sie?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Goreminister:<br \/>\nNun, ich bin ja in einer Zeit gro\u00df geworden, als es noch kein Internet gab (Oh ja, so etwas gab es mal) und da war man zwangsl\u00e4ufig auf Printmagazine und\/oder Mundpropaganda angewiesen. Jede neue Scheibe war wie die Entdeckung eines Arch\u00e4ologen\u2026 sozusagen. Den ersten wirklichen Kontakt zum Journalismus habe ich dann aber so Mitte der 90er gemacht, da ich dort in diversen Fanzines t\u00e4tig war, wie z.B. dem <em>Permanent Overdose<\/em> oder <em>Soluzen \u00b4Zine<\/em>. Manchmal habe ich auch Cover f\u00fcr `Zines wie <em>Into The Warzone<\/em> oder <em>Fatal Underground<\/em> gestaltet und mich nebenher eben selber als Musiker bei den Bands SANCTIMONIUM und eben bei den KADAVERFICKERN (ehemals FUNERAL) bet\u00e4tigt. Was soll ich sagen? Damit fing eben alles an und ich hatte erstmals Zugang zu Backstage-Bereichen und gr\u00f6\u00dferen Bands etc.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Humaldo:<br \/>\nIch habe \u00fcber meinen \u00e4lteren Bruder schon recht fr\u00fch zum Metal gefunden, aber erst relativ sp\u00e4t entdeckt, dass es da \u00fcberhaupt Zeitschriften daf\u00fcr gibt. Ich glaube, meine ersten Metal-Mags waren ganz klassisch der <em>New Rock &amp; Metal HAMMER<\/em>, wie er damals in den 90ern hie\u00df, und nat\u00fcrlich das <em>Rock Hard<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie, wenn \u00fcberhaupt, hat sich dein Zugang zum Metaljournalismus ge- oder ver\u00e4ndert? Welche Magazine kamen, welche gingen? Gab es noch Metal-Fernsehen f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Mein Zugang hat sich insofern ver\u00e4ndert, als dass Printmagazine (leider) immer mehr in den Hintergrund r\u00fccken. Auch Fanzines kann man dieser Tage an einer Hand abz\u00e4hlen, wohingegen es noch vor rund 15 bis 20 Jahren dutzende gab, die wahrlich lesenswert waren. Nat\u00fcrlich kauf ich mir dann und wann noch mal ein Magazin, aber nicht mehr in gleichen, hohen Frequenz wie damals. Viel l\u00e4uft eben \u00fcber das Netz und gerade im YouTube-Bereich gibt es immer mehr Metaller, die sich vor die Kamera wagen und teils gro\u00dfartige Berichterstattungen liefern. Das bringt mich auch zum Metal-Fernsehen, zumal Sendungen wie <em>Headbangers Ball <\/em>auf MTV oder <em>Metalla <\/em>auf Viva elementare Bestandteile der damaligen Szene waren. Solche Formate sucht man in der heutigen Fernsehlandschaft leider vergebens, aber auch das Fernsehen hat sich eben ge\u00e4ndert und die Verantwortlichen in den Sendeanstalten zeigen kein Mut zum Risiko mehr. Lieber noch eine dumme Kochshow-scripted-Reality-Schei\u00dfe oder sonstige Gr\u00fctze, die f\u00fcr Menschen wie uns denkbar uninteressant ist. Deswegen schau ich auch kaum noch Fernsehen, sondern lieber YouTube etc. In Bezug auf Webzines wie Stormbringer ist es nat\u00fcrlich unerl\u00e4sslich, stetigen Kontakt zu pflegen, nicht zuletzt, weil Reviews zu neuen Alben von uns ja auch eine gewisse Werbewirksamkeit mit sich bringen. Und machen wir uns nichts vor: eine gute Wertung ist ja auch Balsam f\u00fcr die geschundene Musikerseele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Um ehrlich zu sein ging es mir immer haupts\u00e4chlich um das Entdecken von neuen Bands, weniger um den Journalismus. Ich habe immer wieder verschiedene Magazine ausprobiert, sofern sie in der lokalen Trafik verf\u00fcgbar waren, aber das <em>Rock Hard<\/em> hat mich eigentlich am l\u00e4ngsten begleitet. Das klassische Metal-Fernsehen habe ich gerade noch miterlebt, <em>Metalla <\/em>und <em>VIRUS <\/em>mit Markus Kafka auf VIVA waren eine Offenbarung f\u00fcr mich. Den klassischen Headbanger\u2018s Ball auf MTV hab ich hingegen nicht mehr mitbekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ernie\/Seuche\/Benjamin hat auf <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCu1WluxF7SE33CqG_6OSnUw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krachmucker-TV<\/a> postuliert, dass es eigentlich keinen Sinn mehr macht, Reviews zu schreiben und Benotungen f\u00fcr Alben zu vergeben. Du (gemeint ist hier der Goreminister)\u00a0hast das auf deinem Kanal auch kurz einmal angesprochen. Ich sehe da einen Unterschied zwischen den knappen Reviews der Printmags und dem eigentlich unbeschr\u00e4nkten Raum der Webpresse, soll hei\u00dfen, ich kann mich als Webredakteur einigerma\u00dfen ausbreiten und viel genauer, oder in meinem Fall, m\u00e4andernder auf das Produkt eingehen. Also: Reviews ja oder nein und wenn vielleicht dann wie? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Wie ich zuvor erw\u00e4hnte ist es als Musiker nat\u00fcrlich sch\u00f6n, positive Reviews zu lesen, doch wenn man knallhart und ehrlich ist, h\u00f6ren die Leute heutzutage via YouTube, Spotify oder Bandcamp in Alben rein und entscheiden dann, ob sie daf\u00fcr Geld ausgeben oder nicht. Das Angebot im Netz ist eben so \u00fcberw\u00e4ltigend gro\u00df, dass man als blo\u00dfer Konsument gar nicht mehr auf die Meinung von Redakteuren angewiesen ist. Und ganz ehrlich? Wenn mich eine Band interessiert, dann h\u00f6re ich genauso wie jeder andere \u00fcber oben beschriebene Plattformen rein und entscheide dann, ob ich das Album erwerbe oder eben nicht. Nat\u00fcrlich geben Reviews zu Bands, die man nicht kennt, einen gewissen Anreiz, einmal in das Werk reinzuschnuppern, aber die gleiche Relevanz wie fr\u00fcher haben diese nicht mehr. Eine Band, die sich heute nicht den Arsch abspielt und Pr\u00e4senz zeigt, kann eigentlich schon nicht mehr viel rei\u00dfen. Da helfen auch Reviews nicht. Um die Frage abschlie\u00dfend zu beantworten: Jain! Reviews sind schick, bringen der Band aber nicht sonderlich mehr Absatzzahlen. Und gerade diese 1 bis 10 Bewertungen kann man sich auch schenken. Dann lieber eine Bewertung nach dem Motto: \u201eWer Band XY mag, der kommt hier auf seine Kosten\u201c, auch wenn man die Musik als Reviewer selber vielleicht \u00fcberhaupt nicht mag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Ich empfand Musik-Reviews eigentlich immer schon als Humbug. Jeder nimmt Musik anders wahr, eine objektive \u201eWaschmaschinen-Bewertung\u201c ist f\u00fcr mich absoluter Bl\u00f6dsinn. Sogar zwei Fans des gleichen Metal-Genres k\u00f6nnen ein Album v\u00f6llig unterschiedlich wahrnehmen und bewerten. Aber ich wei\u00df nat\u00fcrlich, dass es ohne Wertungen nicht geht, weil die Leute einfach daran gew\u00f6hnt, um nicht zu sagen, darauf konditioniert sind. Die Labels und PR-Agenturen sind aber vermutlich auch ganz zufrieden damit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Und jetzt der Schwenk: Machen Printmagazine \u00fcberhaupt noch Sinn, wenn ich im Netz News de facto in Real-Time bekomme? Und mit Smartphone oder Tablet kann ich das Web-Magazin meiner Wahl auf dem Klo auch noch lesen, also f\u00e4llt dieses Argument f\u00fcr Gedrucktes auch weg.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Realistisch betrachtet machen Printmagazine keinen Sinn mehr, aber es gibt eben immer noch Leute, wie mich z.B., die gerne ein haptisches Erlebnis haben. Deswegen stehe ich auch nicht auf MP3-Downloads etc. Klar, f\u00fcr unterwegs macht das allen Sinn der Welt, aber daheim m\u00f6chte ich Musik ja \u201eerleben\u201c und da hilft mir keine digitale File ohne Cover etc. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Printmagazinen. Unterwegs im Tourbus ist es super, einmal kurz via Handy die neuesten Nachrichten zu checken, aber daheim aufm Pott oder eben auf der Couch sind ein Magazin und eine LP mit gro\u00dfem Cover schon beinahe unverzichtbar. Es gibt einem einfach ein wohligeres Gef\u00fchl, aber vielleicht bin ich da auch einfach nur zu sehr in den 90ern h\u00e4ngen geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Objektiv betrachtet macht Print heute aus den von dir eben genannten Gr\u00fcnden absolut keinen Sinn mehr. Ich mag Print aber wegen folgender zwei Punkte immer noch recht gern: Ich mag erstens einfach die direkte Haptik von Papier, das kann kein Screen ersetzen, und zweitens mag ich die Best\u00e4ndigkeit. Papier ist eine Momentaufnahme, die durch kein Update, keinen kaputten Server oder Firmenkonkurs pl\u00f6tzlich verschwinden kann. Ein zehn oder zwanzig Jahre altes Magazin ist quasi eine Zeitreise in die Vergangenheit, ich mag das sehr. Aber ich bin auch ein unverbesserlicher Nostalgist und Chronist \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Liest du Webzines und wenn ja, welcher Content ist dir da wichtig?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Gute Frage! Nat\u00fcrlich lese ich Webzines wie z.B. <a href=\"http:\/\/totgehoert.blogspot.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Totgehoert<\/a>. Wichtig hierbei ist nat\u00fcrlich der Schreibstil. Stimmt dieser nicht, kann die Schlagzeile noch so rei\u00dferisch sein und zum Klicken animieren, denn letztendlich bet\u00e4tigt man dann nach zwei bis drei gelesenen S\u00e4tzen das \u201eX\u201c in der rechten, oberen Ecke. Gut finde ich da die Auseinandersetzung mit kritischeren Themen. Gern auch kontrovers, ohne dass der Autor beim Schreiben im Hinterkopf hat, blo\u00df niemanden vor den Kopf sto\u00dfen zu wollen. Dann kommt meiner Ansicht nach nur Murks dabei heraus. Ein explizites Beispiel habe ich gerade leider nicht parat, aber ich finde Artikel gut, die zum Diskutieren und\/oder auch einmal zum Nachdenken anregen. Abseits davon bin ich ein Listenfetischist. Ich liebe \u201eListenartikel\u201c, aber frag mich nicht warum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Webzines lese ich eigentlich nur dann, wenn ich \u00fcber einen interessanten Artikel oder ein Interview stolpere. Ich muss aber leider sagen, dass mir bei vielen Webzines die inhaltliche Qualit\u00e4t zu niedrig ist. Da kann halt wirklich jeder Texte ver\u00f6ffentlichen, der halbwegs eine Tastatur bedienen kann. Insgesamt geht es mir aber immer noch in erster Linie um das Entdecken von neuer Musik und neuen Bands.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aktuell kann man sich konventionell via Printmags informieren, im Netz \u00fcber Zines\/Portale und YouTube. Wo und wie siehst du die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der einzelnen Formate?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Gerade das Netz hat nat\u00fcrlich den Vorteil, wesentlich aktueller zu sein als Printmagazine. Dahingegen haben Printmagazine den Vorteil, \u201ebest\u00e4ndiger\u201c zu sein. Wie schnell geht ein Link zu einem Artikel in den Weiten des Netzes unter. Entweder wei\u00df man nicht mehr, auf welcher der hunderten von Seiten stand, was man sucht, oder die Suchmaschinen helfen nicht weiter. Dagegen l\u00e4dt eine gut sortierte Printmagazin-Sammlung immer wieder dazu ein, noch einmal alte Berichte, die einen interessiert haben, nachzuschlagen. Der Vorteil von YouTube hingegen ist der, dass die Leute sehen, wer seine Meinung \u00e4u\u00dfert, und dass sie in der Kommentarsektion direkt in den Dialog mit dem Ersteller des Videos treten k\u00f6nnen. Der Nachteil hierbei ist nat\u00fcrlich, dass es nicht jeder schafft, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Sei es durch eine zu monotone Aussprache oder durch eine unzureichende Satzbildung, die mehr verwirrend als informativ ist. Dennoch finde ich, dass alle drei Kategorien ihre dringende Daseinsberechtigung haben, zumal die jeweiligen Zielgruppen ja auch ebenso breit gef\u00e4chert sind wie das vorhandene Angebot.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: PRINTMAGS:<br \/>\nSt\u00e4rken: Potenziell h\u00f6here inhaltliche Qualit\u00e4t, weil sie (hoffentlich) von ausgebildeten Journalisten auf professionelle Weise produziert werden. \u00dcberschaubarer Mitbewerb. Finanzielle Kapazit\u00e4ten zur Berichterstattung.<br \/>\nSchw\u00e4chen: Nicht so aktuell wie Webzines und nicht interaktiv. Beschr\u00e4nkter Platz.<br \/>\nZINES\/PORTALE:<br \/>\nSt\u00e4rken: Keine Platzbeschr\u00e4nkung und tagesaktuell.<br \/>\nSchw\u00e4chen: Meistens keine professionellen und\/oder journalistisch ausgebildeten Mitarbeiter. Extrem gro\u00dfer Mitbewerb. Die fehlende Platzbeschr\u00e4nkung l\u00e4dt zum unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Ausufern ein.<br \/>\nYOUTUBE:<br \/>\nSt\u00e4rken: Globales Social Network mit gigantischer Benutzerbasis. Videos sind ideal daf\u00fcr, Menschen mit ihren Themen direkt, pers\u00f6nlich und emotional zu erreichen. Schw\u00e4chen: Man muss sich f\u00fcr das Anschauen von Videos Zeit nehmen, wohingegen das Lesen von Texten leichter zwischendurch geht. \u00c4ltere Zuschauer (30+) stehen YouTube oft skeptisch gegen\u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie siehst du die Zukunft der einzelnen Formate?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: F\u00fcr die Zukunft des Printmagazins sehe ich leider g\u00e4nzlich schwarz, da es nur noch so ein paar alte, nostalgische Knochen wie mich gibt, die den Aufwand, der dahinter steckt, zu sch\u00e4tzen wissen. Die \u201eNext Generation\u201c hingegen wendet sich ja immer mehr dem Netz zu und gerade YouTube erlebt einen unwahrscheinlichen Boom. Deswegen denke ich, dass es sich in Zukunft weiter in Richtung Webver\u00f6ffentlichungen und weg von Printver\u00f6ffentlichungen bewegen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Ich glaube, Print wird nie ganz verschwinden, sich aber immer mehr zum Premiumprodukt entwickeln und auf kleine, aber zahlungskr\u00e4ftige Liebhabernischen abzielen. Bei WebZines sehe ich keine gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen voraus, es wird immer ein \u00dcberangebot geben, wobei die qualitativ hochwertigen Zines weiterhin in der Minderheit sein werden. YouTube wird sich immer mehr professionalisieren und bald werden dort nur professionelle Produktionen nennenswerte Publikumszahlen erreichen. Den \u201ekleinen YouTuber von nebenan\u201c wird es sicher auch in Zukunft geben, aber er wird es immer schwerer haben, Reichweiten zu gewinnen und sich gegen die Hochglanzproduktionen durchzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wann und warum hast du begonnen, dich auf YouTube zu pr\u00e4sentieren?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Das war gegen Mitte-Ende 2015 und eigentlich ein Zufall. Ich bin zwar schon seit 2006 auf YouTube angemeldet, doch ich habe das Portal immer nur dazu genutzt, kleinere Clips mit Freunden zu teilen. Dann aber habe ich einen Bericht zum Wacken gemacht, weil ich dort mit einer befreundeten Band unterwegs war, und auf einmal haben die Leute angefangen, sich daf\u00fcr zu interessieren. Da dachte ich mir: \u201eHey, warum nicht auch mal YouTuber sein?\u201c Folglich habe ich weitere Videos gemacht, die immer mehr geklickt wurden, und auf einmal steckte ich drin im Schlamassel. Sp\u00e4testens seit dem eingef\u00fchrten *Ping*-Counter war es dann komplett vorbei. Monetarisiert werde ich im \u00dcbrigen nicht, da YouTube den Alkoholgenuss vor der Kamera als \u201enicht werbewirksam\u201c ansieht. Wie auch immer, es soll Spa\u00df machen und da verstehe ich mich auch eher als Idealist und \u201eChronist der Szene\u201c. Ich m\u00f6chte einfach Erinnerungen an Events f\u00fcr Leute festhalten. Eigentlich wie damals, nur dass es nun etwas professioneller vonstatten geht und sich nicht mehr allein auf meinen Freundeskreis beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Meinen Kanal habe ich schon seit \u00fcber zehn Jahren und immer wieder verschiedenstes Zeug hochgeladen. Mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Produzieren von Videos und Vlogs, also dem \u201eYouTuben\u201c, habe ich aber erst vor zwei Jahren, im Herbst 2016, begonnen. Ich hab immer schon gern mit Audio und Video herumgespielt, da lag dieser Schritt einfach mal nahe. Anfangs hab ich Videos \u00fcber alles M\u00f6gliche gemacht, aber mich dann im Herbst 2017 schlie\u00dflich auf Rock &amp; Metal fokussiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie siehst du den derzeitigen Zustand der YouTuber-Metalszene.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Schwierig zu sagen. Es gibt Dutzende von guten Kan\u00e4len, wie z.B. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCu1WluxF7SE33CqG_6OSnUw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krachmucker TV<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/FilmElf1Punkt1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Filmelf<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCjfA1f3Kq2GDdDkQddC8uCw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Totgehoert<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/humaldo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Humaldo<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/DarkSiffler\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DarkSiffler<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/darcshade86\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DarcArts<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/user\/Maknir\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Captain Drunk<\/a> und und und, doch die generelle YouTube-Metalszene ist ein eher zartes Pfl\u00e4nzchen, das nur langsam w\u00e4chst und gedeiht. Das meiste, das mir gef\u00e4llt, bewegt sich im Underground mit weniger als 10000 Abos. Liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass Metal eben immer eine Nischenmusik sein wird. Da \u00e4ndern auch Charteinstiege diverser Bands nichts dran. Au\u00dferdem verh\u00e4lt es sich auf YouTubeleider so wie im Fernsehen: Stumpf ist Trumpf und die d\u00fcmmsten Bauern haben eben die dicksten Kartoffeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H:\u00a0 In \u00d6sterreich ist so eine Szene kaum vorhanden. Es gibt nat\u00fcrlich zahlreiche Musiker und K\u00fcnstler, Labels und Magazine, die erfolgreiche Kan\u00e4le betreiben, aber \u201eklassische\u201c Rock- und Metal-YouTuber gibt es neben mir kaum. Flo von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCXNH0R9KQGYcTZj_YrZp5sA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flo\u2018s Metalworld<\/a> ist eigentlich der einzige, der mir einf\u00e4llt. In Deutschland ist die Szene nat\u00fcrlich gr\u00f6\u00dfer, aber auch \u00fcberschaubar. Es gibt im deutschsprachigen Raum, wo doch etwa 100 Millionen Menschen leben, nur ein gutes Dutzend von uns. Ich glaube, das hat mehrere Gr\u00fcnde. Erstens ist die Rock &amp; Metal-Szene insgesamt doch relativ klein, vor allem, wenn man sie mit Pop oder Hip Hop vergleicht. Ich wei\u00df auch nicht, wie viele verschiedene Metal-YouTuber es \u00fcberhaupt braucht. Vielleicht vertr\u00e4gt der \u201eMarkt\u201c nur eine Handvoll Rock\/Metal-YouTuber. Ich denke auch, dass es eine Rolle spielt, dass \u201eder klassische Metaller\u201c eher konservativ ist und Neuem, wie eben YouTube, eher zur\u00fcckhaltend gegen\u00fcber steht. Vor allem, wenn er (oder sie) schon die 30er Grenze \u00fcberschritten hat. Fokussiert man sich mit seinen Inhalten dann auch noch auf eine Region, wie ich das mit \u00d6sterreich mache, dann verliert man gleich noch mehr potenzielle Reichweite. Das Positive daran: Die Szene und der Mitbewerb sind \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welches Potential bietet dieses Format und wohin f\u00fchrt dein Weg?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Das Potential ist schier unermesslich, denn wenn man mal ehrlich ist, dann ist die Grenze nur die eigene Kreativit\u00e4t. Gut, manchmal auch das vorhandene Equipment, doch wenn man sich geschickt anstellt, kann man auch mit geringem finanziellem Aufwand einiges rei\u00dfen. Mein \u201eEinstiegs-Wacken 2015-Video\u201c (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PTtBAGYR930\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Goreminister aufm Wacken Open Air 2015<\/a>) habe ich z.B. mit einer 75-Euro-Kompaktkamera und einem 99-Euro-Schnittprogramm erstellt. Es ist wie mit der Musik: man muss nur etwas fingerfertig sein und kann mit dem vorhandenen Potential interessante Ergebnisse erzielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Ich finde, das gr\u00f6\u00dfte Potenzial von YouTube liegt in der pers\u00f6nlichen, unmittelbaren Verbindung von YouTuber und Zuschauer, die es sonst in keinem Medium gibt. Wohin mich mein Weg f\u00fchrt, kann ich nicht sagen. Das h\u00e4ngt ausschlie\u00dflich von meiner pers\u00f6nlichen Motivation ab, die derzeit sehr hoch ist. Sollte sich mein Privatleben aber in einer Weise \u00e4ndern, die weniger Platz f\u00fcr YouTube l\u00e4sst, dann kann ich nicht versprechen, das alles regelm\u00e4\u00dfig und mit gleichem Aufwand weiter zu betreiben. Es ist ja schlie\u00dflich nach wie vor ein Hobby, das ich unentgeltlich und freiwillig in meiner Freizeit betreibe. Aber gerade diese Unabh\u00e4ngigkeit und Selbstbestimmtheit ist ja auch etwas Sch\u00f6nes. Ich mache das alles wirklich nur, weil ich es will und weil ich leidenschaftlich motiviert bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich bedanke mich recht herzlich f\u00fcr Eure Worte. Die letzten Zeilen geh\u00f6ren euch:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G: Vielen Dank f\u00fcr das Interesse an meiner Person und meinem Schaffen. Es ehrt mich immer wieder, in Formaten wie diesem Rede und Antwort stehen zu d\u00fcrfen und kann dort drau\u00dfen nur jeden ermutigen, einfach mal zu \u201eMachen\u201c und nicht gro\u00dfartig nachzudenken. \u00dcberflutet das Netz mit Metal-Berichterstattungen und traut euch auf YouTube pr\u00e4sent zu sein, auch wenn es ein steiniger Weg ist und man vielleicht nicht immer nur Jubelrufe zu h\u00f6ren bekommt. Zieht euer Ding durch und lasst euch von keinem sagen, was geht und\/oder was nicht geht. Alles ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H: Ich denke, ich habe alles gesagt im Moment. Vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Christian Wiederwald<\/strong> 27.09.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":2239,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24,99,50],"tags":[84,91,92,59],"class_list":["post-2238","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-artikel","category-interviews","category-news","tag-humaldo-rockt","tag-interview","tag-news","tag-rock-metal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2238","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2238"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2238\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2245,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2238\/revisions\/2245"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2239"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2238"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2238"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.chronerion.com\/humaldotv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2238"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}